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Der Beginn eines großen Abenteuers

10.03.21

Der Beginn eines großen Abenteuers

Vor 25 Jahren: Michaels Debütsaison mit der Scuderia Ferrari

Das Herz von Ferrari, wie wir es uns vorstellen, schlägt natürlich Rot. Mal heller, mal dunkler, aber immer Rot. Nun, vermutlich muss das mit der Farbe um ein paar Schattierungen korrigiert werden. Jedenfalls dann, wenn wir uns mit dem Ort befassen, an dem vor einem Vierteljahrhundert eine der größten, schönsten und ehrlichsten Liebesbeziehungen begonnen hat, die es in der Formel 1 je gegeben hat. Das Herz von Ferrari, wie es Michael Schumacher als Neuzugang der Scuderia für die Saison 1996 kennenlernt, ist Grau. Genauer gesagt: Asphalt-Grau.

Die Rekord-Karriere in Rot beginnt in Fiorano, der privaten Rennstrecke von Ferrari, ganz nah am Werk von Maranello. Hier kann die berühmte Gestione Sportiva, die Sportabteilung der Marke, nach Herzenslust Rennwagen testen. Und so ist der Job zu verstehen, denn der damals schon zweimalige F1-Weltmeister nach seinem sensationellen Wechsel vom strahlenden Benetton-Rennstall hin zum strauchelnden Traditionsteam zunächst übernehmen muss: er muss nicht nur das Auto testen, er hat auf Geheiß des ein Jahr zuvor nach Italien gewechselten Teamchefs Jean Todt auch alles andere dauerhaft auf die Probe zu stellen – das Team, die Werkzeuge, die Strategie.

Als erstes nimmt sich Michael der Piste von Fiorano an. So erzählt es jedenfalls Mattia Binotto, der heutige Chef der Scuderia, der damals noch ein junger Ingenieur war. Michael bereitete sich akribisch auf den Saisonstart vor, arbeitete ausdauernd an der Einstellung von Sitz und Lenkrad, verlegte den Arbeitsbeginn um eine Stunde früher, haderte aber im Folgenden immer wieder mit der ersten Kurve von Fiorano. Der scharfe Knick gleich nach der Boxenausfahrt ließ ihn nicht in den richtigen Rhythmus für eine Runde kommen. Er drängte auf eine Veränderung der Streckencharakteristik. Wie würde sein durchaus stolzer Arbeitgeber darauf reagieren? Nun, die Bauarbeiter und Teermaschinen rückten an. Binotto gibt zu: „Michael hatte Recht, diese Kurve entsprach tatsächlich nicht mehr jenen, die auf den Rennstrecken gefahren werden mussten.“

Der schnelle Bogen, der daraufhin entstand, darf im Nachhinein als ein Zeichen dafür gewertet werden, wie die Ära Schumi bei Ferrari verlaufen wird: erstmal richtig Schwung holen, damit es aufwärts gehen kann.

Formel 1, Testfahrten, Estoril, Februar 1996

Seither hat nicht nur Fiorano ein anderes Layout, Ferrari ist ein anderer Rennstall als vorher. Mattia Binotto erinnert sich voller Bewunderung: „Michael ist ein harter Arbeiter und Anführer. Ein starker, schneller Fahrer. Und er hat uns gelehrt, wie wir die Aufgabe angehen müssen.“ Ferrari bezeichnet das, was Mitte Februar 1996 begonnen hat, als „Start eines großen Abenteuers“, Chronisten nennen es den Beginn einer „Goldenen Ära“. Michael findet sich schnell zurecht in der neuen Umgebung – indem er sie entsprechend mitgestaltet.

Der erste gemeinsame Rennauftritt in der Saison 1996 stellt die deutsch-italienische Beziehung gleich auf eine harte Bewährungsprobe. Zusammen mit seinem Teamkollegen Eddie Irvine geht Michael aus der zweiten Startreihe ins Premiere-Rennen im Albert Park von Melbourne. Doch in der 33. von 58 Runden beim Großen Preis von Australien wird Michael, der zwischenzeitlich schon auf Rang drei liegt, durch einen Bremsdefekt gestoppt. Drei Wochen später ist der Frust scheinbar erfolgreich verarbeitet: Michael steht als Dritter beim Rennen in Interlagos erstmals in Rot auf dem Podium. Der Mai bringt beim Heimspiel in Imola einen zweiten Platz, und im Juni folgt beim legendären Regenrennen in Barcelona der bejubelte erste Sieg. Es ist zugleich der erste Erfolg eines Deutschen im Ferrari seit Graf Berghe von Trips 1961 beim Großen Preis von Großbritannien.

 

Formel 1, Grand Prix Australien 1996, Melbourne, 10.03.1996

In Spa und Monza lässt Michael einen unerwarteten Doppelschlag folgen, der alle Tifosi für einige Ausfälle davor und den insgesamt noch zu langsamen F 310 mehr als entschädigt. Am Ende des Jahres wird Michael WM-Dritter hinter Damon Hill und Jacques Villeneuve. Ein vielversprechender Neubeginn – der Anfang von etwas ganz Großem, dem Wirken einer verschworenen Gemeinschaft, die der Formel-1-Welt ihren Stempel aufdrücken soll.

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