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Das Jahrtausendereignis

08.10.20

Vor 20 Jahren gewinnt Michael seinen ersten Titel mit Ferrari

AUTO-F1-JAPAN-SCHUMACHER-PODIUM

Sind da höhere Mächte im Spiel? An dem Wochenende, an dem Michaels Karriere noch einmal eine entscheidende Wendung nimmt, bebt die Erde in Japan. In Suzuka sind die Erschütterungen am Trainingstag noch so stark, dass einige Fahrer die Fahrzeugabstimmung ändern lassen – anders konnten sie sich die Vibrationen nicht erklären. Michael und sein Rivale Mika Häkkinen aber sind so auf das entscheidende Rennen im Titelkampf fixiert, dass sie einzig und allein ihre good vibes spüren. Beim Großen Preis von Japan im Jahr 2000 wird der Millenniums-Champion gekürt.

Der Suzuka International Circuit ist eine echte Fahrerstrecke — schnell, herausfordernd und nicht ganz ungefährlich. So wie Spa. Gemacht für Champions. Es ist Michaels fünfter Anlauf auf den ersten Titel, die Wiedergutmachung für die Beinbruchsaison im letzten Jahrtausend. Acht Punkte Vorsprung, noch zwei Rennen zu fahren. Pole-Position im WM-Duell und in Suzuka. Aber Häkkinen kämpft, gewinnt den Start, liegt nach dem ersten Boxenstopp mit dem McLaren vorn.

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Dann beginnt es zu regnen. Schumi-Wetter. Er fährt wie ein Gladiator, ignoriert Berührungen durch andere Autos, bleibt vor dem entscheidenden Reifenwechsel zwei Runden länger draußen als geplant. Die Taktik von Ross Brawn am Kommandostand geht auf, nach dem Stopp hat Michael mit dem F 2000 vier Sekunden Vorsprung. Diesen Sieg gibt er nicht mehr her. Es ist sein 43. Grand-Prix-Erfolg, und wohl der wichtigste. Denn er erlöst Ferrari nach 21 Jahren ohne Titel.

Sie wissen gar nicht wohin mit der Freude, als sie langsam begreifen, was sie da gemeinsam – endlich – erreicht haben. Die Emotionen explodieren. Ferrari-Teamchef Jean Todt, der Architekt der glorreichen Scuderia, rennt auf das Auto zu, dass noch die Startnummer drei trägt. Der Franzose küsst Michaels Helm. Die Mechaniker singen, Michael umarmt jeden einzelnen. Chefmechaniker Federico Bertazzo wirft er vor Freude in die Höhe. An jenem Feier-Abend 2000 löst sich die Erleichterung in Karaoke und Sake auf. Die Hütten im Vergnügungspark um die Strecke herum sind Partyzone, zwischen Freund und Feind kann nicht mehr unterschieden werden. Zuhause in Maranello lässt Pfarrer Alberto Bernardoni zu Ehren von Michael und Ferrari die Kirchenglocken läuten, drei Tage hintereinander.

Nur jenseits des Riesenrades wird noch gearbeitet, die Mechaniker müssen eilig fürs nächste Rennen zusammenpacken. Beim Aufräumen in der Garage verletzt sich ein Ferrari-Mann am Bein. Zu dieser späten Stunde ist kein Arzt mehr greifbar, überhaupt niemand mehr, der Englisch spricht. Michael wird bei der Siegesfeier alarmiert. Er schafft es in dem Tohuwabohu, den Formel-1-Chefarzt Sid Watkins zurück in die Boxengasse zu beordern, organisiert den Transport ins Krankenhaus, treibt einen Dolmetscher auf. Ein echter Mannschaftskapitän.

Es ist noch ein Rennen nach Suzuka zu fahren, in Malaysia. Michael gewinnt es in weltmeisterlicher Manier. Auf dem Podest trägt er – wie alle anderen im Team – eine rote Perücke. Es ist der Auftakt zu einer Erfolgsserie, die in der Geschichte von Ferrari ihresgleichen sucht. Rot für die Welt.

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